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Business

Buchbesprechung: 1000 Tage in Shanghai

Hier sind wieder ca. 2cm meines Lesestapels… Diesmal war es ein Buch von Martin Posth, ein ehemals Vorstandsmitglied bei Volkswagen und Audi. Posth war in den 80er Jahren an der Spitze des chinesisch-deutschen Joint Ventures „Shanghai Volkswagen“ (SVW) und später in Hongkong für das Asiengeschäft des VW Konzerns zuständig.
Im Buch 1000 Tage in Shanghai schildert Posth seine Erfahrungen beim Aufbau der Shanghai Volkswagen mitte der 80er Jahre. Er schildert aus seiner subjektiven Perspektive, wie das Joint Venture mit dem Besuch des damaligen chinesischen Maschinenbauministers 1978 in Wolfsburg begann: Ohne Ankündigung, mit dem Zug und dann zu Fuss marschierte der Minister an das Wolfsburger Wachtor und suchte jemanden, der ihn empfangen könnte. Der Vorstand des Vertriebs war geistesgegenwärtig genug, den Minister sofort und ohne Umschweife zu empfangen. So beginnt die Zusammenarbeit zwischen Shanghai und Wolfsburg…

Posth beschreibt sehr spannend wie er China bei seinen ersten Besuchen kennenlernte , sich dann für das Projekt einsetzte und dann als Spitzenmann des VW Konzerns nach Shanghai geschickt wurde. Nach anfänglichem Kulturschock und Chaos in den ersten Monaten beschreibt Posth wie sich das chinesisch-deutsche Team trotz interkultureller Kommunikationsprobleme, unterschiedlichen Mentalitäten und Methoden sich langsam aber sicher auf eine gemeinsame und partnerschaftliche Zusammenarbeit einigten.

Sehr spannend schildert Posth die Transformation eines maroden Staatsbetriebes: anfangs noch eine Manufaktur, in der manuell mit Hammer und Handarbeit der Shanghai Sedan zusammengebaut wurde. Dann Schritt für Schritt (yibu, yibu) die Überführung in eine moderne Massenproduktion, die dann ca. 10.000 VW Santanas pro Jahr produzieren konnte (heute, ca. 20 Jahre später liegt die Kapazität von SVW bei 450.000 Fahrzeugen pro Jahr!).

Posth schildert auch den Konflikt der chinesischen Partner einerseits moderne Fahrzeuge kaufen zu wollen und andererseits keine harten Devisen als anerkanntes Zahlungsmittel zu haben. Um sich diese Devisen zu beschaffen, mussten sie frühzeitig an der Lokalisierung des Fahrzeugs mitarbeiten und sich so die Mittel verdienen. Beim VW Santana war es zuerst der Motor: durch den Bau und später den Export des Motors, verdienten die chinesischen Partner an der Wertschöpfung mit und konnten so harten Devisen erhalten. Posth beschreibt diesen Konflikt sehr gut und ausführlich und macht klar, dass sich anfangs ohne eine solche Lokalisierung kein Geld auf dem chinesischen Markt verdienen liess.

Aufschlussreich waren auch die Beschreibung der politischen Beschränkungen, Forderungen, Einflüsse usw. der chinesichen Regierung und der Wolfsburger VW Konzernzentrale. Posth erzählt hier von so manchen Manövern und Tricks, die die SVW in einem solchen Spannungfeld anwandte.

Das Buch umfasst 12 Kapitel auf 240 Seiten und jedes Kapitel mit einer konkreten Checkliste, die aus Posths Sicht das Chinageschäft erleichtern sollen. Die Sprache ist sehr klar und direkt. Nur manchmal kam ich mit den vielen Abkürzungen durcheinander und musste diese dann im Anhang nachschlagen. Und obwohl in dieser Zeit Deng Xiaoping China politisch und ökonomisch massiv reformierte, und das Land binnen 20 Jahren zum neuen Exportweltstar aufbaute, bewahrt sich Posth seine persönliche und konkrete Perspektive. So bleibt das Buch sehr bodenständig und glaubwürdig. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und kann es allen weiterempfehlen, die an China und seiner Wirtschaft interessiert sind!

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Brian Heumann

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